Deutsche Autoindustrie in der Rezession – Bürgermeisterinitiative warnt vor Strukturbruch und fordert entschlossenes EU-Handeln
Gemeinsame Pressemitteilung
06.03.2026
Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) bestätigt einen tiefgreifenden Strukturbruch in der deutschen Automobilindustrie: Allein im Jahr 2025 wurden rund 50.000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut. Seit 2019 beläuft sich der Beschäftigungsrückgang auf über 100.000 Stellen.
Diese Entwicklung ist mehr als ein konjunktureller Abschwung – sie markiert einen kritischen Wendepunkt für eine der tragenden Säulen der deutschen Industrie. Die Auswirkungen sind in den Automobil- und Zulieferstädten unmittelbar spürbar: bei Industrie- und Handwerksbetrieben, im Mittelstand, in Ausbildungsunternehmen und letztlich auch in den kommunalen Haushalten.
Auch für den Wirtschaftsstandort Passau ist diese Entwicklung von hoher Relevanz. Die Stadt ist über zahlreiche mittelständische Betriebe, Zulieferunternehmen, Logistikdienstleister und Handwerksfirmen eng mit der industriellen Wertschöpfungskette verbunden. Veränderungen in der Automobilindustrie wirken sich daher auch regional auf Beschäftigung, Investitionen und Ausbildungsplätze aus. Vor einem Jahr haben Oberbürgermeister und Bürgermeister aus führenden Automobil- und Zulieferstädten die Initiative „Bürgermeister für einen starken Automobilstandort“ gegründet. Ziel ist es, Industrie- und Klimapolitik so auszugestalten, dass Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Klimaschutz miteinander vereinbar bleiben.
Die Initiative fordert unter anderem Technologieoffenheit als Leitprinzip im europäischen Industrie- und Klimapfad, verlässliche und investitionssichere Rahmenbedingungen, die Stärkung von Forschung und Entwicklung, wettbewerbsfähige Energiepreise, schnelle Genehmigungsverfahren sowie eine sozialverträgliche Transformation mit gezielter Qualifizierung der Beschäftigten.
Die Bürgermeisterinitiative begrüßt erste Signale der Europäischen Kommission in Richtung Technologieoffenheit. Gleichzeitig übt sie deutliche Kritik an bisherigen Beschlüssen, insbesondere an der Ausgestaltung der CO₂-Flottengrenzwerte und der damit verbundenen Strafzahlungen. Die derzeitigen Vorgaben führen zu erheblichen finanziellen Risiken für europäische Hersteller und verschärfen die wirtschaftliche Belastung in einer Phase schwacher Nachfrage und hoher Transformationskosten.
Gefordert werden daher eine realitätsnahe Anpassung der CO₂-Flottengrenzwerte, eine flexible Handhabung drohender Strafzahlungen, keine zusätzlichen regulatorischen Belastungen sowie klare Investitionsanreize, damit Produktions- und Entwicklungsstandorte in Europa gehalten werden können.
Für die Stadt Passau beschreibt Oberbürgermeister Jürgen Dupper die Situation wie folgt: „Die Automobil- und Zulieferindustrie ist auch für unsere Region ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Wir brauchen Planungssicherheit für unsere Betriebe und Perspektiven für die Beschäftigten. Transformation kann nur gelingen, wenn wirtschaftliche Vernunft, Innovation und Klimaschutz gemeinsam gedacht werden.“
Die Bürgermeisterinitiative versteht sich als Stimme der deutschen Automobilstädte. Sie setzt auf Dialog mit der Europäischen Kommission, der Bundesregierung, dem Europäischen Parlament sowie Branchenverbänden und Sozialpartnern. Ziel bleibt es, Arbeitsplätze zu sichern, industrielle Wertschöpfung in Europa zu halten und Zukunftstechnologien am Standort zu entwickeln.
Weitere Informationen: www.saarbruecken.de/automobilstandort
