Analyseergebnisse und Vorschläge für ÖPNV-Optimierungen werden vorgestellt
Startschuss für Bürgerbeteiligung im Oktober vorgesehen
18.09.2026
Die Weiterentwicklung und Neuausrichtung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Passau wurde neu angegangen. Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, hat die SWP GmbH auf Initiative von Oberbürgermeister Andreas Rother Mitte Juni ioki beauftragt. Der Spezialist für softwarebasierte Mobilitätslösungen optimiert bestehende Verkehrsnetze und senkt so gezielt Betriebskosten. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen auf umfangreicher Datenbasis einen konkreten Vorschlag zur Optimierung von Liniennetz und Fahrplan erarbeitet. Dieser Vorschlag wird dem Stadtrat in öffentlicher Sitzung am 28.09.26 erstmals vorgestellt. Damit wird gleichzeitig der Startschuss gegeben für die im Oktober folgende Bürgerbeteiligung.
Wir wollen die notwendige Neuausrichtung nicht allein am Reißbrett vornehmen. Die Bürgerinnen und Bürger kennen ihren ÖPNV und seine Stärken und Schwächen aus dem täglichen Leben. Deshalb ist es wichtig, diese Erfahrungen zu nutzen. Klar ist, dass wir angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen Einsparungen erreichen müssen. Wie diese umgesetzt werden, soll aber auf einer möglichst breiten und nachvollziehbaren Grundlage entwickelt werden. Dabei wollen wir offen darüber sprechen, an welchen Stellen Veränderungen möglicherweise weniger stark ins Gewicht fallen und wo Kürzungen besonders problematisch wären.
Ablauf der geplanten Bürgerbeteiligung
Parallel zur fachlichen Untersuchung wird derzeit der Beteiligungsprozess vorbereitet. Die Ergebnisse und ersten möglichen Varianten werden zeitnah nach der Vorstellung im Stadtrat den Bürgerinnen und Bürgern zugänglich gemacht. Es sind sowohl mehrere Diskussionsversammlungen, eine Online-Beteiligungsplattform sowie Möglichkeiten für analoge Beteiligung vorgesehen. Die Bürgerinnen und Bürger sind dann dazu aufgerufen, sich an dem Prozess zu beteiligen, damit ihre Erfahrungen, Anregungen und Vorschläge aufgenommen und in die weitere Ausgestaltung einbezogen werden. Im Mittelpunkt der Beteiligung soll gemeinsam betrachtet werden, wie die notwendigen Einsparungen umgesetzt werden können und welche Veränderungen für die Bürgerinnen und Bürger besonders relevant sind.
Worüber diskutiert werden soll
Der gemeinschaftlich durch ioki und die Verkehrsexperten der Stadtwerke Passau erarbeitete Entwurf bildet den Ausgangspunkt für die öffentliche Diskussion. Die Bürgerinnen und Bürger sollen den Vorschlag insbesondere auf seine Alltagstauglichkeit prüfen, auf mögliche problematische Auswirkungen hinweisen und Verbesserungsvorschläge einbringen.
Vor allem soll die Prioritätensetzung im ÖPNV im Fokus stehen und besonders sensible Bereiche für Angebotsveränderungen oder Kürzungen sowie mögliche alternative Einsparpotenziale diskutiert werden. Dabei soll auch betrachtet werden, welche Veränderungen aus Sicht der Fahrgäste eher akzeptabel wären und wie Einsparungen möglichst bedarfsgerecht umgesetzt werden könnten, beispielsweise durch Anpassungen der Fahrtenhäufigkeit zu bestimmten Tageszeiten, eine geringere Taktverdichtung oder eine Veränderung beim Wochenendverkehrs. Darüber hinaus soll erörtert werden, an welchen Stellen alternative und flexible Angebote, etwa bedarfsgesteuerter ÖPNV (On-Demand-Verkehre), als sinnvoller Ersatz oder als Ergänzung zum bestehenden Angebot infrage kommen.
Wie es nach der Beteiligung weitergeht
Nach Abschluss der Beteiligung werden die Ergebnisse zusammengeführt und öffentlich vorgestellt. Die Hinweise, Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge werden anschließend fachlich und unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen abgewogen. Ziel ist es, den ursprünglichen Entwurf dort weiterzuentwickeln, wo sich aus der Beteiligung sinnvolle und innerhalb des Einsparziels umsetzbare Verbesserungen ergeben.
Auch der Stadtrat wird im weiteren Verfahren beteiligt. Am Ende des Prozesses soll damit transparent dargestellt werden, welche Anregungen aus der Bürgerbeteiligung aufgenommen werden konnten, welche Änderungen daraus entstanden sind und welche Vorschläge nicht umgesetzt werden können.
Datenbasis und Analyse durch ioki
Im Vorfeld hat ioki die verfügbaren Daten, darunter Zähldaten aus den digitalen Zählsystemen, Potenzialdaten aus der Mobilitätssimulation und der bestehende Liniennetzplan, im ioki Data-Warehouse zusammengeführt und ausgewertet. Dadurch konnten bereits erste Erkenntnisse zur räumlichen und zeitlichen Verteilung der Nachfrage gewonnen werden. Die eingesetzte Analysemethodik von ioki basiert auf einem mikroskopischen, datenbasierten Ansatz mit dem sich gezielt Einsparpotenziale identifizieren lassen.
Auf dieser Grundlage wurde anschließend eine detaillierte Bestandsanalyse des bestehenden ÖPNV-Netzes durchgeführt. Dabei wurden unter anderem Linienführungen, Taktungen, Fahrgastnachfrage und Erschließungsqualität untersucht. Die Datenbasis hierfür wurde durch die vom Stadtrat beschlossene Erweiterung der digitalen Zählsysteme in den Bussen nochmals deutlich verbessert. Damit liegen deutlich belastbarere empirische Daten zugrunde, um modellierte Ergebnisse einzuordnen und die tatsächliche Nutzung des bestehenden ÖPNV realitätsnah abzubilden.
Auf Basis der durchgeführten Analyse wurden die zentralen Stärken und Schwächen des bestehenden Netzes herausgearbeitet. Die Ergebnisse zeigen, an welchen Stellen das Verkehrsangebot bereits gut auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist und wo Anpassungspotenziale bestehen. ioki hat dabei nicht ausschließlich klassische Linien- und Fahrplananpassungen betrachtet. Auch innovative und flexible Mobilitätsangebote, insbesondere On Demand-Verkehre, wurden in die Untersuchung einbezogen. Dadurch können nun verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie Einsparpotenziale mit einer möglichst bedarfsgerechten und leistungsfähigen Mobilität für die Bürgerinnen und Bürger verbunden werden können.
