Zweiter Probeaufbau für Hochwasserschutz Lindau/Sulzsteg absolviert
Städtischer Bauhof montiert mobile Elemente
13.07.2025
Am Samstag, 12.07.25 fand spätabends bis in die Morgenstunden des Sonntags der technische Probeaufbau des mobilen Hochwasserschutzes im Bereich Lindau statt. 10 Mitarbeiter des städtischen Bauhofs waren im Einsatz und erhielten von der Herstellerfirma die entsprechende Unterweisung, um im Fall der Fälle den vollen Schutz errichten zu können. Der Aufbau fand bewusst in der Nacht statt, um zum einen im Ernstfall für die Montage bei Nacht gerüstet zu sein und zum anderen auch, um die Verkehrsbeeinträchtigungen möglichst gering zu halten.
Beim jetzigen Probeaufbau wurden insgesamt sieben mobile Verschlüsse (die je nach Pegelstände im Hochwasserfall geschlossen werden) von der Kräutelsteinbrücke bis zur Querung der Bahnstrecke auf Höhe Sulzsteg aufgebaut. Die Erstmontage dauerte mehrere Stunden. Der mobile Hochwasserschutz in Sulzsteg selbst, mit ca. sechs Metern Höhe, wurde bereits letztes Jahr technisch geprüft und hat sich auch in der Praxis bewährt. Um sicher zu sein, dass im Ernstfall alles nach Plan verläuft, wurden nun die restlichen Verschlüsse aufgestellt und im Anschluss nach den vorgegebenen Aufbaupegeln im Hochwasserlager untergebracht.
Der Hochwasserschutz in Lindau/Sulzsteg ist der erste im Stadtgebiet, bei dem in größerem Umfang mobile Elemente zum Einsatz kommen. Im Hochwasserfall sind insgesamt acht Querungen der Schutzlinie mit mobilen Elementen zu verschließen. Die Aufbauhöhen variieren von einem bis zu 5,4 Meter. Die Gesamtfläche der mobilen Verschlüsse, bestehend aus einem Aluminium-Dammbalkensystem, beträgt ca. 360 m². Der Aufbau erfolgt mittels Lkw, Lader und Telelader, fahrbarer Gerüste und nicht zuletzt durch Menschenkraft. Innerhalb eines Zeitfensters von maximal acht Stunden müssen die Elemente montiert sein. Das erfordert eine gute Einweisung und vor allem auch regelmäßige Übungen. Ein gesondertes Logistikkonzept regelt den koordinierten Einsatz der vorhandenen Kapazitäten.
Das Schutzziel des gesamten Hochwasserschutzes Lindau/Sulzsteg liegt bei einem 500-jährlichen Donauhochwasser. Die Elemente werden in unmittelbarer Nähe zum Hochwasserschutz eingelagert, sodass ein schneller Aufbau erfolgen kann.
Hochwasserschutz Lindau allgemein:
In sieben Planungsabschnitten wurde eine 1.275 Meter lange Schutzlinie errichtet, die mit dem Anschluss an die bestehende private Hochwasserschutz-Anlage an der Kräutelsteinbrücke beginnt, stromabwärts entlang der uferabgewandten Seite der
B 388 führt und auf Höhe der Einmündung Sulzsteg in einer Geländeanhebung am Scharbach endet. Eine Untergrundabdichtung mit einer Gründungstiefe zwischen zwei und sechs Meter, wurde auf ganzer Länge vorgenommen.
Der Grundschutz wird im Wesentlichen durch eine 1.060 Meter lange Betonwand mit einer Höhe von ein bis drei Metern sichergestellt. Dazu gewährleistet im östlichen Bereich ein 115 Meter langer Hochwasserdeich mit einer Kronenbreite von vier Metern und einer Spundwandinnenabdichtung den Grundschutz.
Um das Oberflächenwasser auf der vor dem Hochwasser geschützten Fläche auch bei geschlossener Hochwasserschutzlinie abpumpen zu können, wurden Druckleitungen mit bis zu 2,2 Metern Durchmesser sowie fünf unterirdische Pumpwerke errichtet.
Die Gesamtkosten für Bau und Planung belaufen sich derzeit auf rd. 38,8 Millionen Euro, die vom Freistaat Bayern, der Stadt Passau und von der Europäische Union getragen werden.
Auf der Datengrundlage des Hochwassers von 2013 hat das Staatl. Wasserwirtschaftsamt Deggendorf in einer Machbarkeitsstudie festgestellt, dass ein Hochwasserschutz in Lindau wirtschaftlich und technisch umsetzbar ist. In der Folge brachte der Stadtrat die Grundlagenermittlung und die Vorplanung (2015) sowie die Entwurfs- und Genehmigungsplanung (2016) auf den Weg, die auch in einer Bürgerversammlung vorgestellt wurde. 2018 erfolgte der Abschluss der ersten Bau- und Unterhaltungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern und 2020 der Baustart durch den Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Wasserwirtschaftsamt
