Verkehrsentwicklungsplan: Vorstellung Handlungs- und Maßnahmenkonzept

Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität behandelt am Dienstag, 15.07.2025 Ergebnisse

16.07.2025

Der Stadtrat hat 2019 die turnusmäßige Fortschreibung des Verkehrsentwicklungskonzepts 2012 beschlossen. Der fortgeführte Prognosehorizont sollte dabei auf das Jahr 2035 aktualisiert werden. Nach Aktualisierung der Datenlage konnte unter Berücksichtigung der laufenden Projekte ein Handlungs- und Maßnahmenkonzept erstellt werden, das den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung und Mobilität in der Sitzung vom Dienstag, 15.07.25 präsentiert wird.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Die Anforderungen an den Verkehr haben sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Die Bürgerinnen und Bürger legen in der Einpendlerstadt Passau täglich den Weg zur Schule, zur Arbeit, zur Universität, zum Einkaufen, zum Arzt oder auch zum Hobby und zu Freunden zurück. Dabei setzen sie auf die verschiedensten Verkehrsmittel, sei es auf das Fahrrad, das Motorrad, den Bus, das Auto oder auch zu Fuß. Insbesondere aufgrund unserer topografischen Lage bedarf die Koordination aller Verkehrsflüsse einer vorausschauenden Planung und der schrittweisen Umsetzung möglicher Maßnahmen. Der vorliegende Katalog beinhaltet die Bewertung verschiedener Planungszenarien und empfiehlt für die grundsätzlich realisierbaren Projekte eine nähere Betrachtung.“

Für die Fortschreibung wurden zwei ausgewiesene Fachbüros beauftragt. Im ersten Schritt wurde die Datengrundlage erneuert. Hierbei waren die Besonderheiten während der Corona-Pandemie gesondert zu berücksichtigen, um letztendlich trotzdem ein repräsentatives Ergebnis der Datenerhebung für die Zukunft zu erhalten. Basierend auf dieser Grundlage wurde ein multimodales Verkehrsmodell aufgebaut, das auch das Kernstück der Untersuchungen darstellt. Mit diesem Verkehrsmodell können nun Verkehrsprozesse abgebildet und Aussagen über das Verkehrsgeschehen getroffen werden. Als Grundlage für das Verkehrsmodell dienten insbesondere die ermittelten Daten zum Mobilitätsverhalten der Einwohner sowie die Angaben von fast 1.000 Personen, die im Rahmen von umfangreichen Haushaltsbefragungen Angaben u. a. zu Führerscheinbesitz, Fahrzeug, Zeitkartenverfügbarkeit, Verkehrsmittelnutzung, Wegezwecke und Wegstrecken gemacht haben. Außerdem wurden Betriebsbefragungen und Verkehrszählungen durchgeführt.

Im Jahr 2023 wurde dann das Verkehrsmodell erarbeitet und das Vorgehen dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität vorgestellt. Anschließend wurden verschiedene Zielsetzungen erarbeitet, Szenarien berechnet und die Auswirkungen der vorgeschlagenen Maßnahmen abgeleitet.

Aus diesem Entwicklungsprozess konnten die vom Stadtrat, von der Stadtverwaltung und von dem Fachbüro vorgeschlagenen Maßnahmen bewertet werden. Insgesamt ergaben sich dadurch Planungen, die weiterverfolgt, im Moment nicht weiterverfolgt oder nicht empfohlen werden.

Zu den Maßnahmen, die weiterverfolgt werden sollen, gehören u. a.:

Kfz-Verkehr:

  • Neue Donaubrücke Racklau (Maßnahme des staatlichen Bauamts)
  • Spange Traminer Straße („Südumfahrung“)
  • Vollständiger 2-streifiger Ausbau der B12 von BAB3 bis B85 (Maßnahme des Staatlichen Bauamts)
  • Neugestaltungskonzept Neuburger Straße
  • Weitere Förderung Car-Sharing

Fußgängerverkehr:

  • Definition eines Hauptfußwegenetzes durch die Stadt
  • Oberirdisches Queren statt Unterführungen (erstes Beispiel ist die probeweise Umstellung an der Kreuzung Neuburger Straße/Breslauer Straße)
  • Querungshilfen an Hauptverkehrsstraßen
  • Fußverkehrsfreundliche Straßenraumgestaltung
  • Fußverkehrsfreundliche Verkehrslichtsignalanlagen - Schaltungen

Radverkehr:

  • Alternative Innquerung
  • Anschlusspunkt Radverbindung Passau – Neuburg/Fürstenzell
  • Testweise Öffnung von Fußgängerzonen für eine verbesserte Innenstadtquerung
  • Weiterer Ausbau des Radverkehrsnetzes gemäß Radverkehrskonzept
  • Beschilderungs- und Wegweisungskonzept

Sonstige Maßnahmen

  • Digitalisierung im ÖPNV
  • Aufbau eines Verbundraumes

Da die Auswirkungen einer neuen Donaubrücke auf Höhe Racklau, auch als Ersatz- und Entlastungsbrücke für die Sanierung oder mögliche Erneuerung der Schanzlbrücke abgewartet werden müssen, sollen die Planungen für eine zusätzliche Donaubrücke auf Höhe Achleiten im Moment nicht weiterverfolgt werden.

Auch die Spange Thann, die durch die baulichen Entwicklungen vor Ort nicht mehr wie ursprünglich geplant, angebunden werden könnte, soll zurückgestellt werden. Ein LKW-Durchfahrtsverbot würde sich gemäß dem Verkehrsmodell zwar grundsätzlich positiv auf den Verkehrsfluss auswirken, kann jedoch aufgrund der aktuellen rechtlichen Grundlage ebenfalls im Moment nicht weiterverfolgt werden. Da bei P&R-Konzepten keine erheblichen verkehrlichen Entlastungen zu erwarten sind, sollen sie ebenfalls noch zurückgestellt werden.

Zu den Maßnahmen, die aufgrund von zu geringen positiven Auswirkungen nicht weiterverfolgt werden sollen, gehören die Nordtangente, die Aufstiegshilfe Oberhaus, die Granitbahn und das Wassertaxi.

Das Verkehrsentwicklungskonzept 2012 wurde mit einer Verkehrsprognose bis zum Jahr 2025 entwickelt, weshalb das nun fertiggestellte Handlungs- und Maßnahmenkonzept nahtlos daran anschließt und der neue Prognosehorizont bis 2035 gelten soll. Hierbei sind fundierte Annahmen hinsichtlich der Zukunftsentwicklung aller relevanten Einflussfaktoren Grundvoraussetzung. Bei den ausgewählten Szenarien wurden insbesondere die bisher vorliegenden Erkenntnisse basierend auf den Erhebungsdaten sowie vorliegende Maßnahmenvorschläge aufgegriffen. Letztendlich gibt das Handlungs- und Maßnahmenkonzept eine Richtschnur vor, mit welchen Maßnahmen die Herausforderungen der Zukunft bewältigt werden können und welche Investitionen dafür notwendig sind.