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Grenzenlos lebenswert

Integriertes Klimaschutzkonzept der Stadt Passau

29.10.2021 - Erarbeitetes Strategiepapier wurde dem Stadtrat vorgelegt

Baum und Himmel

Im Herbst 2019 hat der damalige Ausschuss für Umwelt und Energie beschlossen, die Erstellung eines Klimaschutzkonzepts für die Stadt Passau in Auftrag zu geben. Seitdem wurden u. a. die Mittel bereitgestellt, ein externer Partner gefunden und unter Beteiligung verschiedener Akteure bzw. durch die Mitarbeit von engagierten Bürgerinnen und Bürgern ein Konzept erarbeitet. Den Stadtratsmitgliedern wurde in der Plenumssitzung am 25.10.2021 das in den letzten Monaten erstellte Strategiepapier zur Beschlussfassung vorgelegt.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir auf vielfache Weise bereits Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt. Mit dem nun vorliegenden integrierten Klimaschutzkonzept gehen wir einen deutlichen Schritt weiter. Nach einem sehr breit aufgestellten und umfassenden Prozess können wir nun ein umsetzbares Papier vorlegen.“

Auch wenn der Kommune nur ein geringerer Teil des Gesamtenergieverbrauchs anzurechnen ist, möchte die Stadt Passau mit gutem Beispiel vorangehen und in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auch Impulsgeber für Haushalte und die Wirtschaft sein.

Das Klimaziel der Stadt Passau orientiert sich an dem vorgegebenen Ziel der Bundesregierung, nämlich bis 2045 (Gesamtgebiet Stadt Passau bis spätestens 2050 annähernd klimaneutral, kommunale Verwaltung bis spätestens 2045 klimaneutral) gemeinsam (Bürgerschaft, Wirtschaft, Verbände sowie Politik und Verwaltung) Klimaneutralität anzustreben. Im Gegensatz zu den bundesweiten Zielsetzungen und den Möglichkeiten von windstarken und flächenreichen Landkreisen und ländlichen Regionen hat Passau im Bereich der erneuerbaren Energien im Bezug zu seiner Fläche nur begrenzte Möglichkeiten für eine streng territorial bilanzierte Klimaneutralität. Auch die Tatsache, dass zahlreiche historische Gebäude das Stadtbild prägen, eröffnet nur begrenzte Möglichkeiten für energetische Sanierungen und bauliche Änderungen. Alleine 28 % der 90 städtischen Liegenschaften (Ca.-Angaben) liegen im Ensemble-Bereich. Bei rund 67 städtischen Liegenschaften liegt das Baujahr vor 1990.

Nichtsdestotrotz ist das langfristige Ziel des vorliegenden integrierten Klimaschutzkonzepts, Klimaneutralität unter Ausschöpfung der vorhandenen Territorial-Potenziale bis 2050 zu erreichen. Hierfür sind konkrete und erreichbare Zwischenziele notwendig. Die Stadt Passau hat sich dabei auf Zwischenziele in den Jahren 2030 und 2045 verständigt, da bis dahin die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsprognosen realistischer abgeschätzt werden können.

Für den kommunalen Klimaschutz sind einerseits die Potenziale für die Energieeinsparung und der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie andererseits auch die Akzeptanz der neuen Technologien von großer Bedeutung.

Die Energiebilanz für die Stadt Passau hat ergeben, dass der gesamte Energieverbrauch in den letzten 10 Jahren leicht gesunken ist. Für das Jahr 2019 wurde ein Energieverbrauch von ca. 1.717 GWh errechnet. Der größte Teil wurde in den Haushalten verbraucht, wobei die Bereiche Wirtschaft und Verkehr ebenfalls einen entscheidenden Anteil am Gesamtverbrauch tragen. Die meiste Energie (54 %) wurde für Wärme verbraucht, 29 % für den Verkehr und 17 % in Form von Strom.

Das Integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Passau sieht folgende Maßnahmen vor:

  • Wärme:

    Die Energiewende in Passau verfolgt das Ziel, den Wärmebedarf so weit wie möglich aus erneuerbaren Quellen zu decken. Die meisten Wärmequellen aus erneuerbaren Energien stellen Wärme auf einem geringen Temperaturniveau zur Verfügung. Dies bedeutet, dass die Häuser auf einem energetisch niedrigen Niveau und im Idealfall mit Niedertemperatur-Heizungen (z.B. Fußbodenheizung) ausgestattet sein müssen. Dies ist bei Altbauten nicht der Fall. Der Zielwert des Wärmebedarfs bei Häusern beträgt <80 kWh/a/m². Beim Klimaschutz-Szenario in Passau wird eine durchschnittliche Sanierungsrate von 1,0 % in 2023 angesetzt. Diese soll dann bis 2030 auf 1,6 % steigen. Es sollen hauptsächlich Gebäude der Baujahre 1949 bis 1990 energetisch saniert werden. Dies sorgt für einen Sanierungsstand aller Gebäude in Passau bis zum Baujahr 1995 von über 50 %. Weiterhin wird eine Einsparung auf Grund von Verhaltensänderung von 1 %/a für alle Bürgerinnen und Bürger in Passau angenommen.

    In den Bereichen der Kommune liegt das Potenzial zur allgemeinen Einsparung des Wärmeverbrauchs bei knapp 15 % bis zum Jahr 2030 und 45 % bis zum Jahr 2050. Dies sind ambitionierte Annahmen, die nur mit Effizienzgewinnung und Einsatz aller
    Beteiligten bewerkstelligt werden können. Die Bereiche der Industrie und Gewerbe, Handel, Dienstleistung sollen bis 2030 15 % der benötigten Wärme einsparen und bis 2050 insgesamt 20 %.

    Ein großer Stützpfeiler in der Wärmewende ist die Solarthermie, welche 2019 mit 0,17 m²/EW ausgebaut war. Das Ziel einer kompletten Versorgung des Trinkwarmwassers der Stadt Passau benötigt etwa 1,5 m²/EW und soll entsprechend dem Konzept bis 2050 erreicht werden. Der Ausbau wird progressiv bis zum Jahr 2030 auf 1,0 m²/EW gesteigert und danach auf 1,5 m²/EW bis zum Jahr 2050 weiter ausgebaut.

    Die Umweltwärme ist ein zweiter Dreh- und Angelpunkt. Derzeit sind in Passau 111 Anlagen mit einem Ertrag von 3,7 GWh/a in Betrieb. Die Installation einer Wärmepumpe ist besonders sinnvoll, wenn das Gebäude zuvor energetisch saniert wurde, weshalb das Szenario die Installation einer Wärmepumpe bis 2050 in jedem vierten sanierten Haus vorsieht (25 %).

    Im Jahr 2019 standen 65 GWh Wärme aus Holz vom Passauer Boden zur Verfügung. Diese Menge verändert sich leicht über die Jahre (auf Grund des Eschentriebsterbens und anderen Waldkrankheiten wird mehr Energieholz frei) bleibt aber in der Größenordnung (Maximum 72 GWh in den Jahren 2025 bis 2030). Es gibt jedoch auch
    weiterhin Holz- und Pelletöfen in privaten Haushalten, die nicht aus dem lokalen Holzbestand gespeist werden, sondern durch externe Zulieferungen. Diese fallen nicht in die territoriale Klimazielberechnung, müssen aber auch betrachtet werden.

  • Strom

    Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien spielt bis dato die Wasserkraft mit fast 90% (≙ 606 GWh/a) bisher schon eine sehr große Rolle, wobei davon ca. 96 % allein aus den Wasserkraftwerken Kachlet und Ingling stammt. Der prozentuale Anteil an erneuerbare Energie aus Wasserkraft mit 199 % übertrifft sogar den örtlichen Bedarf. Allein durch Effizienzsteigerung (Repowering) könnte noch weiteres Potenzial erschlossen werden. Mit den 5 Biogasanlagen (≙ca. 29 GWh/a) sowie 3 Pflanzenöl-Blockheizkraftwerken (ca. 4 GWh/a) sind die Potenziale in diesem Sektor gut ausgeschöpft.

    Zusätzlich soll die Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen weiter ausgebaut werden. Im Jahr 2019 waren auf den Dachflächen von 9,3 % der Gebäude und 4,7 % der Gebäudegrundfläche im Stadtgebiet mit einer Photovoltaikanlage versehen. Unter Berücksichtigung der Dachflächenneigung und -ausrichtung können ca. 30 % aller Dachflächen im Stadtgebiet als Modulflächen genutzt werden. Das integrierte Klimaschutzkonzept hat das Ziel, bis 2030 23 % und bis 2050 45 % der Gesamtmodulfläche im Stadtgebiet mit PV-Modulen zu belegen.
    Weiter besteht die Möglichkeit, sog. Agri-PV-Module auf landwirtschaftlichen Flächen zu nutzen. Bis 2030 soll bei Freiflächen-PV die Fläche auf 13 ha (2019 5 ha) und bis 2050 auf das Maximum von 68 ha steigen.

  • Verkehr

    Im Bereich Verkehr wird prognostiziert, dass sich die Fahrleistung im ÖPNV bis 2037 verdoppelt und bis 2050 um knapp 140% ansteigt. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) sinkt leicht durch die Förderungen im ÖPNV, der den Verzicht auf MIV attraktiver und machbarer macht. Der Güterverkehr steigt leicht.

  • Treibhausgasemission

    Werden die im Konzept beschrieben Potenziale zur Wärmeeinsparung und Stromeinsparung, sowie die Änderungen im Verkehrssektor über die nächsten 30 Jahre erreicht, können bis zum Jahr 2030 insgesamt 160.000 t CO2-Äq/a (30 %) eingespart werden. Bis zum Jahr 2050 nimmt die Treibhausgasemission im Vergleich zu 2019 um 83 % (441.000 t CO2-Äq/a) ab.
    Die Pro-Kopf-Emissionen für Passauer Bürgerinnen und Bürger reduzieren sich von 10 Tonnen 2019 auf 6,9 Tonnen 2030 und 1,6 Tonnen im Jahr 2050.
    Den größten Anteil der restlichen THG-Emissionen ist dem Wärmesektor zuzuschreiben. Hier müssen noch weitere Überlegungen angestrebt werden, um weitere Einsparungen zu erreichen.

  • Weitere Einsparungsmöglichkeiten:

    • Abfallvermeidung, -vermindern, -verwerten (Recycling) und Wiederverwendung sowie Versorgung mit regionalen Produkten auf kurzen Wegen.
    • Geringer Flächenverbrauch sowie klimafreundliche Landnutzung, z.B. Erhalt und Förderung von extensiv genutztem Dauergrünland und eine naturschutzgerechte Pflege und Nutzung von städtischen Flächen, insbesondere der Kompensationsflächen.
    • Ausweitung und nachhaltige Bewirtschaftung von Waldflächen unter Berücksichtigung von Artenvielfalt, Freihaltung der Talauen, naturnahe, produktive und an den Klimawandel angepasste Forste sowie klimafreundliche Stoffströme rund um die Waldnutzung bis hin zu einer nachhaltig unterlegten Holzbauweise in der Stadt und der Region

Die Stadt Passau hat für ihren Beitrag zur Förderung des Klimaschutzes alle Handlungsfelder erarbeitet und Prioritäten festgelegt. Dabei spielten nicht zuletzt auch die Aspekte Finanzierbarkeit und Umsetzbarkeit eine wesentliche Rolle. Aus den Bereichen umwelt- und klimafreundliche Mobilität, nachhaltiges Wirtschaften, erneuerbare Energien, Klimaschutz im Privathaushalt, grünes Bauen & Wohnen, Konsum und klimafreundliche Lebensstile/Ressourchenschonung, Anpassung an den Klimawandel, kommunale Gebäude und Beschaffung sowie Biodiversität und Umweltschutz wurden 39 Leitprojekte erarbeitet, die in den nächsten 3-5 Jahren umzusetzen sind. Beispiele hierfür sind:

  • Beratung und Information zu Photovoltaik Freiflächenanlagen und Agri-PV
  • Förderung von Fahrrad- und nachhaltigem Tourismus
  • Klimakompass und Klimathon
  • Regionaler Klimafonds

Zahlreiche Maßnahmen konnten bereits während der Erarbeitung des Klimaschutzkonzepts umgesetzt werden bzw. befinden sich aktuell in der Umsetzung:

  • Nachhaltigkeit – Beschaffung Passau-Becher
  • Öffentlichkeitarbeit – Klima-App (Klimathon)
  • E-Mobilität – Dienstfahrzeuge für die Stadtverwaltung inklusive Wallboxen
  • Zusätzliches E-Bike für Dienstfahrten der Verwaltung
  • Flutlichtanlagen Sportanlagen Reuthinger Weg und Grubweg Umrüstung auf LED
  • Anschaffung Photovoltaikanlage Grundschule St. Anton
  • Anschaffung Photovoltaikanlage Erweiterung Kläranlage
  • Studie Mikrogasturbine Kläranlage
  • E-Ladesäule „Bahnhof“

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Logo Klimaschutzinitiative 








Nationale Klimaschutzinitiative

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

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