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Grenzenlos lebenswert

Trauer um den Ehrenbürger Hanns Egon Wörlen

18.02.2014 - Kunstmäzen stirbt im Alter von 98 Jahren

Altstadt schwarzweiß

Mit großer Bestürzung hat Oberbürgermeister Jürgen Dupper vom Tod des Ehrenbürgers Hanns Egon Wörlen erfahren. Hanns Egon Wörlen gehörte viele Jahrzehnte lang zu den herausragendsten Persönlichkeiten des kulturellen Lebens der Stadt Passau, deren verdienstvolles Wirken weit über die Region hinausstrahlte.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Die Nachricht vom Tode von Hanns Egon Wörlen hat mich tief getroffen. Mit Hanns Egon Wörlen verliert Passau nicht nur einen Kunstmäzen, der es verstand, Menschen für Kunst zu begeistern, sondern auch einen Menschen, der mit herausragendem Fachwissen und mit großer Liebe zum Detail viele der denkmalgeschützten Ensembles unserer Stadt Passau sanierte. Er wurde zum Förderer und Freund vieler Kunstschaffender, zum Impulsgeber des kulturellen Lebens in unserer Stadt und prägte das zeitgenössische Kunstgeschehen in der gesamten Region. Besonders durch die Gründung der „Stiftung Wörlen – Museum Moderner Kunst“ wurde unsere Stadt zum Zentrum zeitgenössischer Kunst im ostbayerischen-österreichischen Grenzraum.
Unvergessen bleibt mir sein Enthusiasmus für die Kunst, seine Arbeitslust im eigenen Architekturbüro und seine Bescheidenheit, wenn es um seine Person ging.“

Hanns Egon Wörlen wurde am 5. April 1915 in Marnheim/Rheinpfalz als Sohn des Künstlers Georg-Philipp Wörlen und seiner Frau Margarete geboren. Bereits in früher Kindheit entwickelte der Verstorbene seine Begeisterung für die bildende Kunst, welche sein weiteres Leben wesentlich prägte.

Hanns Egon Wörlen studierte Architektur an der Technischen Universität München und konnte das Studium noch vor Beginn des 2. Weltkrieges erfolgreich abschließen, bevor er 1939 in den Kriegsdienst eingezogen wurde. Im Oktober 1947 baute er in der Dreiflüssestadt unter bescheidensten Verhältnissen ein Architekturbüro auf.

Von 1947 bis zur Auflösung im Jahre1990 betreute der Verstorbene die „Donau-Wald-Gruppe“ und arbeitete an der Dokumentation über diese Künstlervereinigung mit.
1949 folgte die Mitbegründung des Kunstvereins Passau e. V., in dem sich Wörlen über 20 Jahre lang als Ausstellungsleiter engagierte. 1987 bis 1999 war er Präsident und bis zu seinem Tod Ehrenpräsident des Vereins.

Mit dem Kauf des denkmalgeschützten Hauses der Bräugasse 17 und der anschließenden Gründung des „Museums Moderner Kunst Passau – Stiftung Wörlen“, die im Jahre 1988 erfolgte, erfüllte sich der Verstorbene den langersehnten Wunsch die Kunstwerke seines Vaters in einem Museum auszustellen.

Im Jahre 1990 wurde schließlich das Museum Moderne Kunst eröffnet. Innerhalb kürzester Zeit hat sich dieses durch hervorragende Kunstausstellungen und Projekte international höchstes Ansehen erworben und damit wesentlich zur künstlerischen Ausstrahlung der Stadt Passau und des ostbayerischen Raumes beigetragen. Zum 20. Jubiläum des MMK erhielt er für seine Leistungen den Preis der Landesstelle der nicht-staatlichen Museen in Bayern.

Als Ziel seines freiberuflichen Schaffens sah der Verstorbene stets die erhaltende Erneuerung im Sinne des Denkmalschutzes. Als Beispiele hier können u. a. die Rathauserweiterung, die Sanierung des Hotels „Wilder Mann“ und der Jugendherberge auf der Veste Oberhaus und vor allem die Errichtung des „Museums Moderner Kunst“ angeführt werden. 1992 erhielt er für sein Schaffen den Deutschen Preis für Denkmalpflege.

Überdies lag ihm der künstlerische Austausch zwischen verschiedenen Staaten am Herzen, weshalb er sich wesentlich für die Durchführung internationale Kunstausstellungen einsetzte.

In Würdigung seiner großen Verdienste hat der Stadtrat der Stadt Passau Herrn Hanns Egon Wörlen bereits im Jahr 1974 den Kulturellen Ehrenbrief der Stadt Passau und 1994 das Ehrenbürgerrecht als höchste Auszeichnung der Stadt verliehen.

Hanns Egon Wörlen war außerdem Inhaber des Bayerischen Verdienstordens (1995), Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland (2007) und erhielt als damals erster Deutscher die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich (1995).

Die Stadt Passau wird seiner stets in größter Wertschätzung und Dankbarkeit gedenken.

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