Stadtgeschichte

Es gibt nicht viele Orte in Deutschland, die auf eine 2000-jährige Stadttradition zurückblicken können; Passau gehört zu diesen wenigen.
Kelten und Römer bauten hier ihre Festungsstädte und Kastelle, und eines von ihnen, „Castra Batava“, hat Passau seinen Namen vererbt.

So wichtig aber Passau als römische Grenzfestung auch gewesen sein mag, von weltgeschichtlicher Bedeutung wird die Stadt erst, als sie im Jahre 739 zum ständigen Bischofssitz erklärt und damit bis ins 18. Jahrhundert hinein die Bistumsstadt der größten deutschen Diözese wird.

Der ganze österreichisch-ungarische Raum wurde von Passau aus kolonisiert und christianisiert, und der Stephansdom, in Wien wie die Stephanskathedrale der alten ungarischen Königsresidenz Gran-Esztergom sind noch heute dem Patron ihrer Passauer Mutterkirche geweiht.

Als dann 1217 die Passauer Bischöfe unmittelbare Reichsfürsten geworden waren, da avancierte Passau zur „Hochfürstlichen Haupt- und Residenzstadt“, deren höfisch-feudaler Charakter bis hin in die Gegenwart herein das bauliche Antlitz dieser Stadt geprägt hat.

Obwohl sich die Bürgerschaft lieber als „Freie Reichsstadt“ gesehen hätte und sich erst nach mehreren fehlgeschlagenen Aufständen der Erkenntnis beugen mußte, daß unter dem sanften Joch des Krummstabes „gut leben sei“, blühten im hohen und späten Mittelalter Handel und Gewerbe. Der Salzhandel auf dem Inn herab und über den „Goldenen Steig“ nach Böhmen sowie die weltberühmten „Passauer Wolfsklingen“ brachten Reichtum in die Stadt, der dem Nürnbergs und Augsburgs wenig nachstand.

Oft noch steht Passau im hellen Licht der Weltgeschichte; sein Name ist verknüpft mit den Kreuzzügen und dem Religionsfrieden von 1552, mit dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges, mit den Türkenkriegen und den napoleonischen Feldzügen.

Dass in den Mauern einer geschichtlich so reichen Stadt auch die Kunst allezeit sorgsame Pflege gefunden hat, ist eigentlich selbstverständlich. Namen von höchster europäischer Bedeutung finden wir um den Kulturmittelpunkt des Passauer Bischofshofes geschart. Hier entstand das berühmte Nibelungenlied; hier erscheint im Gefolge des Bischofs Wolfker der Minnesänger Walther von der Vogelweide; hier schufen im 15. und 16. Jahrhundert die bedeutenden Hofmaler Rueland Frueauf und Wolf Huber ihre unvergänglichen Bildwerke. Hier ließen zu Ende des 17. Jahrhundert Carlo Lurago  und Giovanni Battista Carlone aus dem niedergebrannten Trümmern des altes Domes das barocke Riesenwerk der St.-Stephans-Kathedrale, den größten barocken Kirchenraum Süddeutschlands, erstehen.

Hier komponierten als Hofkapellmeister im 17. und 18. Jahrhundert der überragende süddeutsche Orgelmeister Georg Muffat und der Freund Haydns, Joseph Fribert, ihre Fugen, Serenaden und Opern.
Hier schufen bayerische und österreichische Künstler im Neuen Bischofspalais das eleganteste Treppenhaus des späten bayerischen Rokoko.

Das Passauer Stadtbild und seine Bauten aber zeigen nicht nur Elemente der deutschen Kunst. Dem internationalen Charakter der alten Handelsstadt entsprechend, finden wir hier Künstler aus halb Europa am Werke. Majestätisch böhmische Gotik neben prunkvollem italienischen Barock, elegantes französisches Rokoko neben vornehm-heiterer Wiener Klassizistik – wobei das italienisch-barocke Element am stärksten zutage tritt, ein Umstand, der den verheerenden Stadtbränden von 1662 und 1680 zu „danken“ ist; denn von Brandkatastrophen blieb die Stadt  ebensowenig verschont wie von Hochwassern, die sich bei der Uferlage in den drei tiefeingeschnittenen Flußtälern der Donau, des Inn und der Ilz oft genug vernichtend auswirkten.

Aber gerade diese Ufertallage der Stadt ist es auch, die den Ruhm der Dreiflüssestadt, eine der schönstgelegenen Städte Deutschlands zu sein, begründet hat. Oft schon hat man versucht, Passau mit den Attributen anderer schöner Orte zu apostrophieren; man hat es „das bayerische Venedig“ und „bayerische Riviera“ genannt; aber die Eigenart dieser Stadt ist so ausgeprägt, daß jeder Vergleich hinkt.

In allen Jahrhunderten haben Dichter und Gelehrte vieler Nationen ihr begeistertes Loblied auf die vollendete Harmonie zwischen Landschaft und Stadtbild, zwischen bayerisch-barocker Daseinsfreude und österreichischer Musikalität, auf die italienische Stadt mit der deutschen Seele, gesungen. Angefangen von dem arabischen Gesandten Tartuschi im 10. Jahrhundert und dem italienischen Frührenaissance-Dichter Aeneas Sylvius Piccolomini (dem nachmaligen Papst Pius II.), über Ernst Moritz Arndt und Adalbert Stifter bis zu Alfred Kerr, Rudolf Herzog und Hans Carossa, der seinen Wohnsitz vor den Toren der Stadt aufgeschlagen hatte.

Der Würde einer Landeshauptstadt war Passau zwar bei der Säkularisation im Jahre 1803 verlustig gegangen. Bischofssitz und ostbayerischer Kulturmittelpunkt aber ist es bis heute geblieben. 37 Kirchen und Kapellen charakterisieren das „geistliche“ Gepräge der Stadt. An ihrer Spitze der gewaltige eintausendfünfhundertjährige St.-Stephans-Dom, in dessen weiten Hallen die größte Kirchenorgel der Welt erklingt. Hoch über den Ufern des Inn thront die weithin bekannte Wallfahrtskirche Maria-Hilf, deren Verehrungsbereich sich einst vom Elsaß bis nach Ungarn erstreckte.

Tradition verpflichtet; dass die Stadt den kulturellen Aufgaben der Gegenwart gewachsen ist, davon zeugt die aus der alten Jesuitenuniversität hervorgegangene Phil.-Theol. Hochschule mit ihrer über 100.000 Bänden umfassenden Bibliothek, die 1978 zur 7. Bayerischen Landesuniversität erweitert wurde.
Davon zeugt das schönstgelegene Museum Deutschlands in der alten fürstbischöflichen Festung Oberhaus, das mit seinen zahlreichen  Sonderausstellungen auch überregional Anerkennung gefunden hat.

Erwähnenswert auch das Diözesanmuseum mit reichen spätgotischen Kunstschätzen, sowie das Passauer Glasmuseum, das 1985 von Astronaut Neil Armstrong im Hotel Wilder Mann eröffnet wurde, und das von der Stiftung Wörlen 1990 gegründete Museum für Moderne Kunst. 

Davon zeugen ferner die Symphoniekonzerte des Passauer Konzertvereins und die Orgelkonzerte im Hohen Dom, die in mehreren namhaften Gruppen zusammengeschlossenen bildenden Künstler der Stadt und die Aufführungen des Landestheaters Niederbayern im ehemals „Fürstbischöflichem Opernhaus“.

Den alljährlichen Höhepunkt des Kulturlebens aber bilden die festlichen „Europäischen Wochen“, die seit 1952 zu einem frühsommerlichen Treffpunkt europäischer Spitzen aus allen Bereichen der gestaltenden Künste geworden sind.

Für diese europäischen Bemühungen erhielt Passau bereits 1970 die Ehrenfahne des Europarates, der 10 Jahre später der Europapreis folgte; seither darf sich Passau Europastadt nennen.

Die Gebietsreform vom 1. Juli 1972 brachte für Passau ein dreieinhalbfach größeres Stadtgebiet und einen Anstieg der Bevölkerung von rund 31.000 auf über 50.000 Einwohner. Derzeit sind ca. 50.500 Personen amtlich gemeldet.

Dies war die Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Kreisfreiheit und die Einstufung als Oberzentrum des südostbayerischen Raumes. Mithin war es auch die Grundlage für die Entstehung der Universität Passau.
1978 nahm sie den Lehrbetrieb auf. Obwohl jüngste aller bayerischen Hochschulen, gilt sie doch als erste Adresse für Akademiker in aller Welt. Internationale Ausrichtung, eigenes Profil und interdisziplinäre Ausbildung mit Praxisbezug haben sie zu einer europaweit renommierten Uni gemacht. Fast 8000 Studenten  (etwa 11 Prozent davon ausländische Studierende) sorgen dafür, dass die Atmosphäre in der Stadt lebendig, frisch und weltoffen bleibt.

Mit der Fertigstellung des Dult- und Messegeländes sowie des Konferenzzentrums in Kohlbruck unterstreicht Passau seine Bedeutung als Messe- und Tagungszentrum.

Innerhalb weniger Jahre wurden auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Kohlbruck ein florierender Wohn- und Gewerbepark, ein Konferenzzentrum, ein Ganzjahres-Erlebnisbad sowie ein großes Messegelände mit einer modernen Veranstaltungshalle geschaffen. Die Neugestaltung der Innenstadt, des Bereiches der "Neuen Mitte Passau", wurde in den vergangenen Jahren durchgeführt.