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Grenzenlos lebenswert

Gedenkkultur in Passau

Mahnmal Lesezeichen Mit diesem Informationsangebot wollen wir Aspekte der Erinnerungsarbeit in unserer Stadt, die gleichzeitig auch Zukunftsarbeit ist, vorstellen und einen Einblick geben in vielleicht nicht uninteressante Strukturen.

Das Erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus hat sich bei uns in Passau, vor allem im Laufe der vergangenen 2 Jahrzehnte, Stück für Stück in unterschiedlichen Facetten zu einer Kultur des Gedenkens entwickelt. Der Blick zurück zeigt, dass
dieses Erinnern vor rund 30 Jahren noch schwer gefallen ist. Die Autorin Anna Rosmus hat damals damit begonnen in ihrer Heimatstadt Passau den Ereignissen und Entwicklungen während der Zeit des Nationalsozialismus nachzugehen und ihre Erkenntnisse zu publizieren.

Unsere Stadt hat in der Folge den Weg der bewussten und wissenschaftlichen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit beschritten. Der Prozess der damit verbunden gewesen ist, war nicht bequem und ist auch nicht emotionslos verlaufen.

Damals wurde eine Entwicklung in Gang gebracht, die bis heute positiv nachwirkt. Die Kultur des Gedenkens gehört heute als wichtiger Bestandteil zum öffentlichen Leben in unserer Stadt. Eine Vielzahl von Aktionen, Initiativen und Projekten von Stadt und engagierten Bürgern, allen voran der seit Jahren aktive Arbeitskreis Christen und Juden, belegen das Bedürfnis der Stadt und ihrer Bürger aufmerksam und achtsam mit dem Thema umzugehen und Bewusstseinsarbeit für die Zukunft zu leisten.

Erinnerungsarbeit ist wichtig und notwendig, um den Weg in eine gute Zukunft zu bereiten, denn sie soll uns und die uns nachfolgenden Generationen schützen vor menschlichen Katastrophen, wie sie die nationalsozialistische Ideologie produziert hat. In diesem Sinne ist uns in Passau vor allem wichtig den Stab des Gedenkens auch an die jungen Leute weiterzugeben. Die Stadt versucht die Jugend aktiv in die Erinnerungsarbeit einzubeziehen und wird dabei von den Schulen unterstützt.

Wichtige Grundlagenarbeit wurde geleistet durch die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation der Zeit des Nationalsozialismus und die Geschichte von jüdischem Leben in Passau. Buchprojekte, wie das in der Schriftenreihe der Universität Passau von Prof. Dr. Winfried Becker herausgegebene Werk über „Passau in der Zeit des Nationalsozialismus“ mit einem Beitrag auch zur Geschichte der Passauer Juden in der Zeit von 1933-1945 und ein in der Dokumentation zur Errichtung des Mahnmals erschienener Beitrag von Dr. Stefan Rammer über „Aspekte jüdischen Lebens in Passau“ geben umfassend Information. Eine interessante Ergänzung dazu bieten Zeitzeugenberichte im Buch „Alltag, der nicht alltäglich war“, das vom Stadtarchiv Passau herausgegeben wurde.  Im Oberhausmuseum Passau informiert die Abteilung Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Minderheiten im 15. Jh. unter anderem mit einer Multimediaschau über das Thema Antijudaismus.
 
„Der Name ihrer Stadt gibt mir Hoffnung“ – das waren die Worte von Dr. Ralph Giordano, dem für sein journalistisches Werk und politisches Engagement mehrfach ausgezeichneten Holocaustüberlebenden, am Ende einer vielbeachteten Rede am 9. November 2008 in Passau, im Rahmen des Gedenkens an die Reichspogromnacht vor 70 Jahren. Damit brachte er seinen Respekt vor der Erinnerungsarbeit, die in unserer Stadt  geleistet wird, zum Ausdruck.
 
Gedenkkultur in Passau ist, wie wir denken, ein Prozess der weitergehen wird! Mittlerweilen kümmern sich auch unsere jungen Leute in besonderer Weise um das Thema, wobei jede Generation gewiss ihre eigene Form dafür entwickeln wird. Der Blick zurück ist und bleibt notwendig, denn er gibt Orientierung für die Zukunft. In diesem Zusammenhang gilt es sich um das Denken unserer Jugend zu kümmern und demokratisches Verhalten, ziviles Engagement, Toleranz und die Weltoffenheit der jungen Leute zu fördern. 

Bei einem Treffen im Passauer Rathaus am 27. Mai 2009, zu dem alle Schulleiter der Stadt eingeladen waren, wurde von Oberbürgermeister Jürgen Dupper zum Ausdruck gebracht, dass die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Schulen bei dieser für unsere Gesellschaft wichtigen Bewusstseinsarbeit unterstützen wird. Natürlich engagieren sich unsere Schulen bereits in vielfältiger Weise, so zum Beispiel die bei uns in Passau zertifizierten „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“. Dieses Engagement kann nicht früh genug beginnen und so wurde zum Beispiel in der Grundschule Innstadt schon vor längerem in Zusammenarbeit mit einer dem Arbeitskreis Christen und Juden angehörenden früheren Religionspädagogin ein Projekt gestartet. Alljährlich werden Schüler der jeweiligen 4. Klassen im Umfeld des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus, anhand der Geschichte der Kinder aus Theresienstadt, mit dem Thema NS-Vergangenheit und dem in unserer globalisierten Welt zunehmend wichtigen Thema „Toleranz“ in Berührung gebracht und wird versucht ihnen eine Vorstellung von der Bedeutung des Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus in Passau zu
geben. 

Anzumerken bleibt, dass es im Laufe der Zeit eine ganze Reihe, von der Stadt Passau realisierter großer Veranstaltungsprojekte gab, die die Erinnerungsarbeit in Passau unterstützen sollten, wie zum Beispiel Anne-Frank-Wochen mit Ausstellung und viel Programm, eine umfangreiche Veranstaltungsreihe die der Geschichte Israels und der Geschichte des Judentums gewidmet war, ein Baumpflanzprojekt in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Nationalfonds e.V. im KKL Park in Jerusalem, Ausstellungsprojekte über Strukturen des christlichen Antijudaismus, Ausstellungsprojekte mit dem MAGNUM-Fotografen und ehemaligen jüdischen Mitbürger Erich Hartmann über Konzentrationslager, eine Ausstellung mit Werken von Künstlern aus dem KZ Flossenbürg, eine Reihe von Zeitzeugen war mit interessanten Vorträgen in unserer Stadt zu Gast und vieles, vieles mehr.

Erinnerungs- und Zukunftsarbeit verstehen wir in Passau als einen immerwährenden gesellschaftlichen Auftrag, den wir mit unseren Möglichkeiten versuchen zu erfüllen!

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