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  • auf dem Messeplatz Kohlbruck vom 07.09. - 16.09.2018

Grenzenlos lebenswert

Prunkstück des Böhmerwaldmuseums ist wieder zu besichtigen

11.07.2018 - Böhmische Brautkrone erstrahlt in neuem Glanz

v. links: Oberbürgermeister Jürgen Dupper, Heinz Pollak, Förderverein Böhmerwald e.V., Franz Payer, Vorsitzender Förderverein Böhmerwald e.V., Georg Thuringer, fotografische Dokumentation Restauration böhmische Brautkrone, Kulturreferent Dr. Bernhard Forster, Museumsleiterin Dr. Stefanie Buchhold, Reinhard Wachtveitl und Manfred Pranghofer, beide vom Förderverein Böhmerwald e.V.
Prunkstück des Böhmerwaldmuseums ist wieder zu besichtigen

Seit Jahrzehnten gehört die Böhmische Brautkrone aus der Zeit zwischen 1800 und 1850 zur Sammlung des Böhmerwaldmuseums im Oberhausmuseum der Stadt Passau. Nach einer aufwändigen Sanierung ist diese Preziose nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Der offiziellen Aufstellung wohnten auch Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Vertreter des Fördervereins des Böhmerwaldmuseums bei.

Die Brautkrone besteht aus einem Drahtgerüst, welches aufwändig und überaus reichhaltig mit stilisierten Blättern unterschiedlich gestalteten Blüten aus Golddraht, Glassteinen, farbig lackierten Metallblüten sowie Perlen verziert ist. Das Grundgerüst ist ein Kranz aus mehreren spiralförmig gewundenen Drähten, von dem ausgehend vier Streben oben mittig zusammenlaufen. Die einzelnen Streben sind wie Aststiele mit waagrecht nach links und rechts gerichteten Blättern versehen. Zwischen diesen lanzettförmigen Blättern sind verschiedene Blütenformen eingefügt, die ebenfalls wie die Blätter an langen Drähten spiralförmig um die Streben gewunden sind. Die Blätterstiele sind mit grünem Seidenfaden umwickelt, ebenso das Grundgerüst der Krone auf der Unterseite.

Es handelt sich um einen außergewöhnlich aufwändig und prächtig gearbeiteten Kopfschmuck, der gänzlich original erhalten ist. Dies bezeugt die hohe Wertschätzung, welche einer so kostbaren und teuren Krone entgegengebracht wurde. Es erforderte hohes handwerkliches Geschick und Können, um die höchst vielfältigen Varianten von Drahtdekoren, Blüten, Blättern, gefassten Glassteinen und Perlentrauben herzustellen und zu einer Krone zu gestalten.
Aufgrund der über Jahrhunderte gepflegten Tradition dieser sogenannten „schönen Arbeiten“ wurden beschädigte Werke stets ausgebessert, wobei leider meist originale Substanz durch neue ersetzt wurde. Aufgrund der großen Sensibilität der sehr filigranen Objekte und daraus resultierenden häufigen Reparaturen sind Stücke, die keine Eingriffe erfahren haben, rar.

Die Brautkrone war ein Kopfschmuck in der Tracht, der von jungen, ledigen Frauen vor und zum Hochzeitsfest getragen wurde. Diese traditionelle Kopfbedeckung, die in verschiedensten Varianten in zahlreichen deutschen und europäischen Trachten zu finden ist, symbolisiert Jungfräulichkeit und Ehrenhaftigkeit. Die Art des Kopfschmucks verkörpert in der ländlichen Tracht des 16.und 17. Jh., angelehnt an die städtische Brauttracht, den sozialen Stand ihrer Trägerin. Bis in das 19. Jh. hinein wurde diese Tradition gepflegt, die Kronen wurden zu kirchlichen Anlässen wie Kommunion, kirchlichen Festen mit Prozessionen und zur Hochzeit getragen. Ab Ende des 19. Jh. wurden die traditionellen in aufwändigster Handarbeit gefertigten Brautkronen von Plastikkränzen abgelöst.

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