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Grenzenlos lebenswert

Gedenkstunde zur Reichspogromnacht

09.11.2017 - Kranzniederlegung zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus

Oberbürgermeister Jürgen Dupper (5. von links) legte mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule St. Nikola am Mahnmal an der Innpromenade einen Kranz nieder.
Gedenkfeier zur Reichspogromnacht

Vor 79 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, fanden überall in unserem Land die Pogrome der sogenannten „Reichskristallnacht“ statt. Zum Gedenken an dieses schreckliche Ereignis, das symbolhaft für die Verfolgung unserer jüdischen Mitbürger steht, legte Oberbürgermeister Jürgen Dupper gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Mittelschule St. Nikola einen Kranz am Mahnmal an der Innpromenade nieder. An der Gedenkstunde nahmen neben Vertretern aus Kirche, Politik, Universität, Behörden, Verwaltung und Schulen auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger teil.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Der 9. November 1938 scheint weit weg und ist dennoch nah. Es gibt viele gute Gründe, warum es wichtig, ja sogar notwendig ist, die Erinnerung an jene Zeit wach zu halten. Der heutige Gedenktag lädt dazu ein, eine Brücke zu schlagen von der Vergangenheit in unsere Gegenwart und weiter in die Zukunft. Der Blick zurück zeigt vor allem den Mord an 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens in Europa. Er zeigt die Ideologie der Nationalsozialisten, die Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen Rasse oder ethnischen Herkunft, ihrer Religion, ihrer Weltanschauung, ihrer Behinderung, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identität oder ihres sozialen Status einen unterschiedlichen oder überhaupt keinen Wert zuschrieb. Er zeigt uns Krieg, Elend und Vertreibung als Folge nationalsozialistischer Gesinnung, die zur Staatsideologie wurde. Krieg, Antisemitismus und Rassismus bildeten von Beginn an Ziel und Leitprinzipien des NS-Regimes, das damit Tod und Verwüstung über Europa und andere Teile der Welt brachte.

Heute leben wir in einer Welt, die lange Jahrzehnte so gelebt hat, als verstünden sich Frieden, Freiheit, Demokratie und Wohlstand von selbst. Doch nun steht auch in unserer Gegenwart die Frage im Raum, warum Menschen so schnell die offenbar dünne Schicht durchbrechen, die Zivilisation und Kultur von Barbarei, Grausamkeit und Brutalität trennt. Und wir fragen danach, was Menschen antreibt anderen Menschen das Mitgefühl zu entziehen und sie mit Hass und Gewalt zu überziehen.

An einem Tag wie heute lässt sich spüren, wie wichtig es ist, die Not anderer zu begreifen und die Fähigkeit zu Empathie, Mitmenschlichkeit und Toleranz entwickeln zu können und es lässt sich verstehen, wie wichtig es ist, mutig für Werte wie unsere Freiheit und die Demokratie einzutreten.“

Die Gedenkfeier wurde von einer M-Klasse der Mittelschule St. Nikola gestaltet. Bereits am Vormittag hatten Schülerinnen und Schüler dieser Schule, des Gymnasiums Leopoldinum, des Gisela-Gymnasiums Niedernburg und der Berufsschule II sowie Verbände der Evangelischen Jugend und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend an zwei Verlegeorten der STOLPERSTEINE (Nikolastraße 10 und Ludwigstraße 19) ein spezielles Gedenken veranstaltet. Die genannten Schulen und Jugendorganisationen sind Paten für insgesamt 14 STOLPERSTEINE, die seit 2015 an das Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger in Passau erinnern.

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