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Grenzenlos lebenswert

Römischer Donau-Limes wird UNESCO-Weltkulturerbe

30.07.2021 - Bewerbung war im zweitem Anlauf erfolgreich

Dreiflüsseeck von oben

Die Entscheidung ist mit zweijähriger Verspätung gefallen: Am 30. Juli votierte das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner diesmal als Videokonferenz abgehaltenen 44. Jahrestagung in Fuzhou (China) dafür, die römische Donaugrenze zwischen Eining (Bayern) und Rusovce (Slowakei) – den westlichen Abschnitt des sogenannten Donaulimes – in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Ich freue mich, dass es im zweiten Anlauf nun doch geklappt hat und somit auch Teile Passaus zum Weltkulturerbe zählen.“

Bereits 2019 hätte die Einschreibung in die Welterbeliste erfolgen können, jedoch wurde das Vorhaben aufgrund einer nicht fristgerechten Antragsänderung der ungarischen Regierung zunächst zurückgestellt. 2020 fiel die Sitzung des Welterbekomitees pandemiebedingt aus. Die nun beschlossene Einschreibung schließt jedoch die in Ungarn liegenden Römerstätten am Donaulimes aus, da die Regierung Ungarns den gemeinsam mit Deutschland, Österreich und der Slowakei eingereichten Antrag trotz einer Einschreibungsempfehlung des Welt-Denkmalrates ICOMOS kurzfristig zurückzog.

In die Welterbe-Liste eingetragen wird nun zunächst der westliche, etwa 500 Kilometer lange Abschnitt der Flussgrenze. Der Donau-Limes wird damit Teil des transnationalen seriellen Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches“, zu dem bereits der Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien, der Obergermanisch-Raetische Limes sowie – seit wenigen Tagen – der Niedergermanische Limes, die Flussgrenze der Provinz Niedergermanien von Bad Breisig bis zur Mündung des Rheins in die Nordsee gehören.

Passau nimmt am Donau-Limes eine in mehrfacher Hinsicht herausgehobene Position ein: Es liegt am Zusammenfluss von Donau und Inn nicht nur an einer verkehrstechnisch exponierten Stelle, sondern ist auch der einzige Ort, der Anteil an zwei römischen Provinzen hat. Der Inn bildete hier die Grenze der Provinzen Raetien und Noricum sowie die Grenze des gallischen und illyrischen Zollbezirks. Drei Anlagen auf Passauer Stadtgebiet werden Teile des Weltkulturerbes: Die römischen Hinterlassenschaften im Bereich von Kloster Niedernburg, das spätrömische Kastell Boiotro (heute Römermuseum mit Garten) sowie der spätrömische Wachtturm Haibach (auf dem Gelände der Kläranlage an der Wiener Straße). Zu dem neuen Welterbe-Abschnitt gehören in Bayern neben Passau noch Eining (Weinberg), Bad Gögging, Weltenburg, Regensburg-Kumpfmühl, Regensburg-Großprüfening, Regensburg, Straubing und Künzing.

Der Donau-Limes bildete sich im Laufe des 1. Jahrhunderts nach Christus als Nordgrenze des Römischen Reiches beziehungsweise seiner Provinzen Raetien, Noricum, Pannonien und Moesien heraus. Er besteht aus einer Kette von Militäranlagen (Legionslager, Auxiliarkastelle, Wachttürme), die durch Straßen miteinander verbunden waren. Dieses System garantierte eine effektive Grenzüberwachung und kontrollierte Verkehr und Handel auf und an der Donau. Die im Umfeld der Kastelle entstandenen zugehörigen Zivilsiedlungen wurden zu Keimzellen zahlreicher moderner Städte. Etwa 400 Jahre lang hielt Rom die lineare, flussbasierte Grenzverteidigung an seinen nördlichen Grenzen aufrecht. Im Laufe des 5. Jahrhunderts wurden in Zeiten politischer Dauerkrisen die Wehranlagen aufgegeben. Damit war das Ende des Donau-Limes besiegelt.

Ebenfalls zum UNESCO-Welterbe erklärt wurden in Fuzhou die bedeutendsten historischen Kurstädte Europas (darunter Bad Kissingen in Unterfranken), das Jugendstil-Ensemble Mathildenhöhe in Darmstadt sowie das mittelalterliche jüdische Kulturerbe in den sogenannten SchUM-Städten (Speyer, Worms, Mainz). Die Zahl der Welterbestätten in Bayern steigt damit auf 10 (51 in Deutschland).

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